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Befund-Akte · veröffentlicht

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Energielabel seit 2021 lesen: Warum A nicht mehr das Beste ist

Zwei Geräte derselben Energieklasse können unterschiedlich viel verbrauchen. Warum der Buchstabe nur einordnet, welche Zahl auf dem Label sich wirklich rechnen lässt und wohin der QR-Code führt.

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Auf dem Energielabel eines Haushaltsgeräts stehen zwei Angaben zum Stromverbrauch, und nur eine davon lässt sich rechnen. Der farbige Buchstabe von A bis G ordnet das Gerät innerhalb seiner Gruppe ein. Die Zahl darunter, angegeben in Kilowattstunden, ist die Größe, aus der eine Jahresrechnung entsteht. Wer im Laden nur auf den Buchstaben schaut, vergleicht Ränge statt Verbrauch, und zwei Geräte mit demselben Buchstaben können sich in der Zahl deutlich unterscheiden.

Was die EU-Verordnung hinter dem Label festlegt

Grundlage der Kennzeichnung ist die Verordnung (EU) 2017/1369 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. Juli 2017 zur Festlegung eines Rahmens für die Energieverbrauchskennzeichnung, veröffentlicht im Amtsblatt L 198 vom 28.7.2017, Seite 1 bis 23. Die konsolidierte Fassung trägt das Datum 1. Mai 2021. Diese Verordnung legt den Rahmen fest: wie ein Label aufgebaut ist, dass es eine geschlossene Skala von A bis G gibt und dass die Skala neu skaliert werden kann, wenn zu viele Geräte sich in den oberen Klassen sammeln.

Wichtig für das Lesen des Labels ist dieser letzte Punkt. Eine Neuskalierung setzt die Buchstaben zurück, ohne dass sich an den Geräten etwas ändert. Dasselbe Gerät kann vorher und nachher unterschiedliche Buchstaben tragen. Die verbrauchte Energie bleibt dabei exakt gleich.

💡 Gut zu wissen: Die Umstellung ist nicht für alle Gerätegruppen zum selben Zeitpunkt erfolgt, und die Stichtage stehen jeweils in einer eigenen produktspezifischen Verordnung. Für dich im Laden ist der Stichtag ohnehin zweitrangig: Entscheidend ist, ob das Label vor dir eine Skala mit Pluszeichen zeigt oder eine geschlossene Skala von A bis G. Nur Labels derselben Skala lassen sich über den Buchstaben vergleichen.

Warum die Pluszeichen verschwunden sind

Die alte Skala war nach oben offen. Als immer mehr Geräte die Spitzenklasse erreichten, wurden Stufen angehängt, erst eine, dann zwei, dann drei Pluszeichen. Das Ergebnis war eine Skala, auf der die schlechteste real erhältliche Klasse in der Mitte lag und in der niemand mehr sagen konnte, wie groß der Abstand zwischen zwei benachbarten Stufen eigentlich ist.

Die geschlossene Skala löst das, indem sie nur sieben Stufen zulässt und die oberen bewusst leer lässt. Ein Gerät, das nach der alten Systematik ganz oben stand, landet nach der Neuskalierung mehrere Buchstaben tiefer. Das ist die Absicht: Die Skala soll Luft nach oben behalten, damit künftige Verbesserungen sichtbar werden, ohne dass wieder Pluszeichen angebaut werden müssen.

Der Buchstabe ordnet ein, er misst nicht

Ein Buchstabe ist immer eine Aussage über eine Gerätegruppe. Er sagt: Innerhalb aller Geräte dieser Art gehört dieses hier in dieses Feld. Er sagt nicht, wie viele Kilowattstunden im Jahr anfallen, und er lässt sich schon gar nicht zwischen verschiedenen Gerätearten vergleichen. Ein A bei einer Gerätegruppe und ein A bei einer anderen haben miteinander nichts zu tun, weil die Grenzen jeweils für die eigene Gruppe gezogen sind.

Auch innerhalb einer Gruppe deckt ein Buchstabe eine Spanne ab. Zwei Geräte, die beide in dieselbe Klasse fallen, liegen an deren oberem und unterem Rand, und dazwischen liegt genau der Unterschied, der auf deiner Stromrechnung landet. Der Buchstabe verrät dir nicht, an welchem Rand dein Gerät steht.

Die Kilowattstunden-Angabe ist die eigentliche Rechengröße

Unter dem Buchstabenfeld steht eine Zahl mit der Einheit kWh. Diese Zahl stammt aus einem genormten Messverfahren und ist zwischen Geräten derselben Gruppe vergleichbar, weil alle nach demselben Verfahren geprüft wurden. Sie ist die einzige Angabe auf dem Label, mit der du rechnen kannst.

Multipliziere sie mit deinem Arbeitspreis, und du hast Kosten statt Ränge. Für private Haushalte in Deutschland lag der Strompreis im 2. Halbjahr 2025 bei durchschnittlich 40,55 Cent je Kilowattstunde, so das Statistische Bundesamt in seiner Pressemitteilung vom 31.03.2026. Mit diesem Wert wird aus jeder Kilowattstunde ein konkreter Betrag.

Zwei Geräte, gleiche Klasse, unterschiedliche Rechnung

Angenommen, vor dir stehen zwei Geräte, beide in derselben Klasse. Auf dem einen Label steht 0,80 Kilowattstunden je Durchgang, auf dem anderen 0,95. Die Differenz beträgt 0,15 Kilowattstunden. Wer das Gerät 200 Mal im Jahr laufen lässt, kommt auf 30 Kilowattstunden Unterschied. Mit 40,55 Cent gerechnet sind das 12,17 Euro im Jahr und über zehn Jahre 300 Kilowattstunden, also 121,65 Euro.

Die Zahl der Durchgänge ist dabei deine Annahme, nicht die des Herstellers. Ein Zwei-Personen-Haushalt kommt auf andere Werte als ein Fünf-Personen-Haushalt, und genau deshalb steht auf dem Label kein Eurobetrag. Setz deine eigene Häufigkeit ein, und die Rechnung stimmt für deinen Haushalt statt für einen Durchschnitt.

Durchgänge im JahrMehrverbrauch bei 0,15 kWh DifferenzKosten bei 40,55 ct/kWh
10015 kWh6,08 Euro
20030 kWh12,17 Euro
30045 kWh18,25 Euro

Die Tabelle zeigt zugleich, wo die Grenze dieser Betrachtung liegt. Selbst bei 300 Durchgängen im Jahr bleibt der Unterschied zwischen zwei Geräten derselben Klasse unter 20 Euro pro Jahr. Zwischen zwei weit auseinanderliegenden Klassen wird die Differenz größer, und dann lohnt das Rechnen umso mehr.

Erst die Bezugsgröße prüfen, dann die Zahlen vergleichen

Die Kilowattstunden auf dem Label beziehen sich je nach Gerätegruppe auf unterschiedliche Bezugsgrößen. Mal ist es der Verbrauch je Durchgang, mal der Verbrauch für eine festgelegte Zahl von Durchgängen, mal der Jahresverbrauch bei durchgehendem Betrieb. Zwei Zahlen lassen sich nur vergleichen, wenn beide dieselbe Bezugsgröße haben.

Schau deshalb auf die Kleinschrift direkt bei der Zahl, bevor du rechnest. Ein Gerät mit 62 und eines mit 0,62 sind mit hoher Wahrscheinlichkeit dasselbe Gerät in zwei verschiedenen Bezugsgrößen, und wer das übersieht, hält einen Faktor 100 für einen Effizienzsprung. Beim Vergleich zweier Geräte in derselben Ladenzeile ist die Bezugsgröße normalerweise identisch, beim Vergleich zwischen zwei Onlineshops nicht zwingend.

⚠️ Häufiger Fehler: Ein Jahresbetrag ohne genannten Arbeitspreis ist wertlos. Wenn ein Prospekt „nur 38 Euro Stromkosten im Jahr" verspricht, steht dahinter ein Strompreis, der nirgends genannt wird, und meist auch eine Nutzungshäufigkeit, die nicht deine ist. Rechne mit deinem eigenen Preis vom letzten Abschlag, dann weißt du, worauf die Zahl fußt.

Der QR-Code führt in die europäische Produktdatenbank

Auf der geschlossenen Skala ist oben rechts ein QR-Code aufgedruckt. Er führt zum Eintrag genau dieses Modells in der europäischen Produktdatenbank, in die Hersteller ihre Geräte eintragen müssen, bevor sie sie in der EU verkaufen. Dort findest du das vollständige Produktdatenblatt, also mehr Angaben, als auf das Label passen.

Praktisch ist das aus zwei Gründen. Erstens kannst du im Laden mit dem Handy scannen und zwei Geräte auf derselben Datengrundlage nebeneinanderlegen, statt zwei Prospektseiten zu vergleichen. Zweitens bleibt der Eintrag bestehen, auch wenn der Karton längst im Altpapier liegt. Wer den Code vor dem Aufbau einmal scannt und den Link ablegt, hat die Datenblattwerte seines Geräts dauerhaft griffbereit, ohne sie abschreiben zu müssen.

Die Piktogramme neben der Skala

Rechts und unter dem Buchstabenfeld sitzen kleine Symbole, die jeweils eine weitere Kenngröße tragen. Welche das sind, hängt von der Gerätegruppe ab: Wasserverbrauch, Fassungsvermögen, Geräuschentwicklung in Dezibel, Programmdauer, bei manchen Gruppen auch eine Geräuschklasse.

Diese Symbole sind der Grund, warum das Label mehr taugt als eine Effizienzangabe. Ein Gerät kann sparsamer sein und dafür lauter oder langsamer, und wenn es in einer offenen Wohnküche steht, ist die Dezibelangabe für dein Wohlbefinden wichtiger als zwölf Euro im Jahr. Die Symbole erlauben diese Abwägung, weil sie alle nach demselben Verfahren gemessen sind.

Warum C oder D beim heutigen Label eine gute Nachricht sein kann

Nach der Neuskalierung sind die obersten Klassen bewusst schwer erreichbar gehalten. Sie sollen Raum für Technik lassen, die es heute noch nicht in Serie gibt. Die Folge im Laden: Ein großer Teil der aktuell verkauften Geräte liegt in der Mitte der Skala, und ein C oder D bedeutet dort etwas anderes als ein C auf der alten Skala mit Pluszeichen.

Wer deshalb nur nach dem Buchstaben sucht, sortiert unter Umständen ein Gerät aus, das nach Kilowattstunden günstiger arbeitet als ein anderes mit besserem Buchstaben in einer anderen Bauform oder Größe. Der Buchstabe verengt die Auswahl, die Zahl entscheidet.

Was das Label über deinen Haushalt nicht sagt

Die Messwerte stammen aus einem genormten Programm unter genormten Bedingungen. Zu Hause weicht davon fast alles ab: Beladung, gewähltes Programm, Wassertemperatur am Zulauf, Aufstellort und Umgebungstemperatur. Ein Kühlgerät neben dem Backofen arbeitet gegen mehr Wärme an als eines an der Nordwand, und in der Messkammer stand keins von beidem.

Daraus folgt eine nützliche Lesart: Das Label vergleicht Geräte untereinander zuverlässig, sagt aber deinen persönlichen Verbrauch nur ungefähr voraus. Für die Kaufentscheidung reicht das vollkommen, denn dort geht es um die Frage, welches der beiden Geräte im Regal weniger verbraucht, nicht um die exakte Jahressumme.

Die drei Zahlen, die du vor dem Regal mitnimmst

Erstens die Kilowattstundenzahl samt ihrer Bezugsgröße, denn nur mit ihr rechnest du. Zweitens deine eigene Nutzungshäufigkeit im Jahr, weil sie aus der Kilowattstunde einen Betrag macht. Drittens deinen Arbeitspreis vom letzten Abschlag, ersatzweise die 40,55 Cent aus der Destatis-Meldung vom 31.03.2026. Der Buchstabe bleibt dabei nützlich als grobe Vorsortierung, und für Geräte, die dieselbe Klasse tragen, entscheidet danach die Zahl. Ob sich der Umstieg von einem alten auf ein neues Gerät überhaupt rechnet, ist eine eigene Rechnung und im Beitrag zum Wechsel der Energieklasse beim Kühlschrank durchgespielt. Wer den QR-Code auf dem Label vor dem Kauf einmal scannt, hat beide Geräte auf einer Datengrundlage nebeneinander und braucht dafür keine zwei Verkaufsgespräche.

Veröffentlicht durch die geraetedoc-Redaktion. Veröffentlicht am 8. Oktober 2026.

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