Eine Kilowattstunde Erdgas kostete private Haushalte im zweiten Halbjahr 2025 im Schnitt 12,23 Cent, eine Kilowattstunde Strom 40,55 Cent (Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 31.03.2026). Das Verhältnis von gut 3 zu 1 ist der Grund, warum die Gasherd-Frage überhaupt gestellt wird. Es beantwortet sie aber nicht, weil beim Kochen mit Gas ein deutlich größerer Teil der Energie neben dem Topf landet und weil die Entscheidung ohnehin an einer Stelle vorher fällt: am Anschluss.
Was hierzulande tatsächlich zur Wahl steht
Ein reiner Gasherd mit Gasbackofen ist in deutschen Küchen selten geworden. Was im Handel als Gasherd verkauft wird, ist meist eine Kombination: vier Gasbrenner auf dem Kochfeld, darunter ein elektrisch beheizter Backofen mit Umluft. Der Backofen hängt also in beiden Fällen am Stromnetz, und der Unterschied betrifft nur die Fläche, auf der Töpfe stehen.
Das hat eine praktische Folge für die Rechnung: Alles, was du im Ofen machst, verhält sich bei beiden Varianten gleich, inklusive der Frage, wann sich Vorheizen überhaupt lohnt. Verglichen wird ausschließlich das Kochen im Topf und in der Pfanne.
Der Gasanschluss ist die erste harte Grenze
Liegt in der Küche kein Gasanschluss, ist die Frage in den meisten Fällen entschieden, bevor sie beginnt. Arbeiten an einer Gasinstallation darf ausschließlich ein Fachbetrieb ausführen, der beim örtlichen Netzbetreiber im Installateurverzeichnis eingetragen ist. Das gilt für die Leitung, für den Anschlusshahn und für den Anschluss des Geräts selbst.
Was so ein Vorhaben kostet, hängt an Dingen, die niemand aus der Ferne beurteilen kann: ob überhaupt eine Gasleitung ins Gebäude führt, wie weit sie von der Küche entfernt endet, ob Wände geöffnet werden müssen und was der Netzbetreiber für die Inbetriebnahme verlangt. Sinnvoll ist deshalb nur ein Weg: den Fachbetrieb vor Ort schauen lassen und ein Angebot einholen, bevor ein Gerät ausgesucht wird.
Brennerleistungen von 1,0 bis 4,0 Kilowatt richtig einordnen
Ein Vierbrenner-Gaskochfeld hat üblicherweise gestaffelte Brenner: einen Sparbrenner um 1,0 Kilowatt, zwei Normalbrenner um 1,75 Kilowatt und einen Starkbrenner um 3,0 Kilowatt. Wok-Brenner mit Doppel- oder Dreifachkranz liegen bei 3,5 bis 4,0 Kilowatt. In der Summe kommt so ein Feld auf etwa 7 bis 9 Kilowatt.
Diese Zahlen sind Brennerleistungen, keine Leistung im Topf. Beim Gasbrenner umströmt die Flamme den Topfboden und steigt an der Seite hoch, ein Teil der Wärme geht direkt an die Raumluft. Genau deshalb ist der Vergleich der beiden Energiepreise allein irreführend.
Zwei Liter Wasser, in Cent gerechnet
Die Wärmekapazität von Wasser liegt bei 4,19 Kilojoule je Kilogramm und Kelvin. Für zwei Liter, die von 15 Grad auf Siedetemperatur gebracht werden, sind das rund 712 Kilojoule, umgerechnet etwa 0,2 Kilowattstunden, die im Topf ankommen müssen. Wie viel dafür am Zähler vorbeiläuft, hängt an der Bauart der Kochstelle.
| Kochstelle | Anteil, der im Topf ankommt | Bezogene Energie | Kosten für diesen Topf |
|---|---|---|---|
| Gasbrenner | 45 Prozent | 0,44 kWh Erdgas | rund 5,4 Cent |
| Elektro, Glaskeramik | 60 Prozent | 0,33 kWh Strom | rund 13,4 Cent |
| Elektro, Induktion | 85 Prozent | 0,23 kWh Strom | rund 9,4 Cent |
Gerechnet ist mit den beiden oben genannten Durchschnittspreisen von 12,23 und 40,55 Cent je Kilowattstunde. Die Prozentwerte sind Annahmen, die den Unterschied der Bauarten abbilden, keine Messwerte für ein bestimmtes Gerät. Auf einen Jahresbetrag lässt sich das nicht hochrechnen, ohne zu wissen, wie oft und wie lange in einem Haushalt tatsächlich gekocht wird. Wer es genau wissen will, zählt eine Woche lang mit, wie viele Töpfe und Pfannen wirklich auf dem Feld standen.
Warum der Preisvorsprung von Gas schrumpft, aber bleibt
Gas kostet je Kilowattstunde rund ein Drittel dessen, was Strom kostet. Weil aber vom Gasbrenner deutlich weniger im Topf ankommt als von einer Induktionszone, wird aus dem Faktor 3,3 beim Energiepreis im Beispiel oben nur noch ein Faktor von knapp 1,8 gegenüber Induktion. Gegenüber einem Glaskeramikfeld bleibt der Abstand größer, weil dort ebenfalls viel Wärme das Ziel verfehlt.
Damit ist die Richtung klar und die Größenordnung ehrlich: Kochen mit Gas ist im laufenden Betrieb günstiger, aber nicht um den Faktor, den der Blick auf die Energiepreise verspricht. Wer die Anschlusskosten dagegenrechnet, braucht viele Töpfe Wasser, bis sich der Umbau trägt.
Was ein Gasbrenner in die Küchenluft abgibt
Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen Kohlendioxid und Wasser. Aus der Reaktionsgleichung folgt eine Faustzahl, die sich leicht merken lässt: je Kilowattstunde Erdgas etwa 0,16 Liter Wasser und rund 0,2 Kilogramm Kohlendioxid. Ein Kochvorgang von einer Stunde auf einem 2-Kilowatt-Brenner bringt also grob ein Drittel Liter Wasser in die Raumluft, dazu Stickoxide, die beim Verbrennen an der Flamme entstehen.
Praktisch bedeutet das: Eine Dunstabzugshaube über einem Gasfeld sollte nach außen führen und nicht nur umluftgefiltert zurückblasen, und bei längeren Kochvorgängen gehört das Fenster auf. In einer kleinen, gut gedämmten Küche ohne Abluft ist der Wasserdampf aus dem Brenner ein zusätzlicher Beitrag zu beschlagenen Scheiben und feuchten Ecken.
Kochgeschirr: die Disziplin, in der Gas klar vorn liegt
Ein Gasbrenner heizt alles, was du darauf stellst. Aluminiumtöpfe, Kupferpfannen, Tontöpfe, Espressokannen, der Wok mit rundem Boden auf dem passenden Ring: nichts davon braucht einen magnetischen Boden, und nichts davon muss einen Mindestdurchmesser haben. Wer über Jahre gemischtes Kochgeschirr angesammelt hat, nimmt es vollständig mit.
Dazu kommt, dass die Flamme auch die Topfwand erwärmt, nicht nur den Boden. Beim Schwenken in der Pfanne bleibt die Hitze an, während sich Speisen auf einem Induktionsfeld beim Anheben der Pfanne sofort im Leerlauf befinden. Bei einem Umstieg in die andere Richtung ist der Magnettest am Topfboden die erste Prüfung, siehe dazu die Rechnung zum Umstieg auf Induktion.
Regeln nach Augenmaß gegen Regeln nach Ziffer
Bei Gas siehst du die Leistung. Eine kleine blaue Flamme ist eine kleine blaue Flamme, und der Griff zum Hahn wirkt sofort. Wer nach Gefühl kocht, mag genau das. Der Nachteil ist die fehlende Wiederholbarkeit: Es gibt keine Stufe 6, die morgen wieder Stufe 6 ist, und keine exakte Anzeige beim Anbraten.
Elektrische Felder liefern die Wiederholbarkeit und ein Timer schaltet die Zone selbstständig ab. Eine Gasflamme brennt weiter, bis jemand sie ausdreht, sofern das Gerät keine Zeitschaltung am Brenner hat. Für Haushalte, in denen zwischen Küche und Kinderzimmer gependelt wird, ist das der greifbarere Unterschied als jeder Cent-Vergleich.
Reinigungsaufwand: Roste und Brennerteile gegen glatte Fläche
Ein Glaskeramikfeld wird feucht abgewischt, das dauert etwa eine Minute am Tag. Ein Gaskochfeld besteht aus Topfträgern, Brennerkränzen, Brennerdeckeln und der Fläche darunter, die alle einzeln abgenommen werden. Realistisch sind dafür rund 15 bis 25 Minuten in der Woche, und Übergekochtes läuft gern unter den Brennerkranz.
Wichtig beim Zusammensetzen: Der Brennerkranz hat eine Führungsnase und passt nur in einer Position. Sitzt er schief, brennt die Flamme gelb statt blau und rußt die Topfböden an. Und gusseiserne Topfträger gehören nicht in die Spülmaschine, dort verlieren sie ihre Beschichtung und setzen Flugrost an, mehr dazu unter was nicht in den Geschirrspüler darf.
Offene Flamme im Haushalt mit Kindern
Moderne Gaskochfelder haben eine thermoelektrische Zündsicherung an jedem Brenner. Erlischt die Flamme, etwa durch übergekochtes Wasser oder Zugluft, schließt sie die Gaszufuhr innerhalb weniger Sekunden. Beim Gebrauchtkauf lohnt der Blick darauf, ob jeder Brenner ein solches Fühlerstiftchen neben der Zündkerze hat.
Was die Zündsicherung nicht abdeckt: Ärmel, Geschirrtücher und Topflappen, die über eine brennende Flamme geraten, und Kinderhände, die einen Drehknopf erreichen. Abnehmbare Knebel und ein Herdschutzgitter sind hier die praktischen Antworten. Auf einem Induktionsfeld gibt es weder das eine noch das andere Risiko, dafür bleibt dort eine Zone nach dem Kochen unter dem Topf heiß, ohne dass man es sieht.
Stromausfall, Umzug und was danach mit dem Gerät passiert
Bei Stromausfall bleibt ein Gaskochfeld benutzbar. Die elektrische Funkenzündung fällt zwar aus, die Brenner lassen sich aber mit einem Streichholz oder Stabfeuerzeug entzünden. Dabei muss der Knopf wegen der Zündsicherung noch etwa 10 bis 15 Sekunden gedrückt bleiben, bis der Fühler warm genug ist. Ein Elektrofeld ist in dieser Zeit schlicht tot.
Beim Umzug dreht sich das Bild. Ein Elektrofeld wird abgeklemmt und in der neuen Wohnung wieder angeklemmt. Ein Gasgerät braucht am neuen Ort einen Anschluss, den Fachbetrieb und je nach Gasart womöglich einen anderen Düsensatz, denn Flüssiggas aus der Flasche verlangt andere Düsen als Erdgas aus dem Netz. Auch das ist Arbeit für den eingetragenen Installateur, kein Zubehörteil zum Selbsteinbau.
Wann der Umbau auf Gas trägt und wann nicht
Gas rechnet sich, wenn der Anschluss bereits in der Küche liegt, viel und gern in Pfanne und Wok gekocht wird, das vorhandene Kochgeschirr gemischt ist und die Küche eine Abluftführung nach außen hat. Der laufende Betrieb bleibt dann spürbar günstiger, im Beispiel oben bei gut der Hälfte dessen, was dieselbe Menge Wasser auf Induktion kostet.
Elektrisch bleibt die bessere Wahl, wenn kein Gasanschluss vorhanden ist, wenn die Küche klein und schlecht belüftet ist oder wenn im Haushalt kleine Kinder mit am Herd stehen. Und wer ohnehin schon elektrisch kocht, holt den größeren Sprung nicht durch einen Wechsel der Energieart, sondern durch die Zone selbst: von 60 auf 85 Prozent im Topf, ohne Installateur und ohne Gasleitung.