Ein Kostenvoranschlag über 210 Euro für ein Gerät, das neu mit Lieferung und Altgeräte-Entsorgung 480 Euro kostet, ergibt 44 Prozent. Das ist die Zahl, die über Reparatur oder Neukauf entscheidet, und sie enthält das Baujahr an keiner Stelle. Trotzdem heißt es an der Hotline und in Foren zuverlässig: über zehn Jahre lohnt sich nichts mehr. Diese Faustregel hat kein Fundament, sie hat nur ein Alter. Was tatsächlich trägt, ist ein Bruch aus zwei Beträgen, die du beide beschaffen kannst, bevor jemand mit dem Schraubendreher kommt.
Warum das Baujahr die Entscheidung nicht hergibt
Zwei Geräte gleichen Alters können in völlig verschiedenen Zuständen sein. Eine Waschmaschine, die in einem Zwei-Personen-Haushalt 3 Wäschen pro Woche gesehen hat, hat in zehn Jahren rund 1.560 Programme hinter sich. Dieselbe Maschine in einem Fünf-Personen-Haushalt mit 8 Wäschen pro Woche kommt in derselben Zeit auf etwa 4.160. Das ist der Faktor 2,7 auf Lager, Pumpe und Stoßdämpfer bei identischem Kalenderalter.
Das Baujahr sagt außerdem nichts über den Defekt aus. Eine durchgescheuerte Türdichtung an einem 13 Jahre alten Gerät ist ein billiger Schaden, ein Elektronikfehler nach 4 Jahren ein teurer. Wer nach Jahren sortiert, sortiert nach der falschen Spalte.
Der Bruch, der statt des Kalenders entscheidet
Die Rechnung hat zwei Zahlen. Oben steht, was die Reparatur vollständig kostet: Teil plus Arbeitszeit plus Anfahrt. Unten steht, was ein gleichwertiges Neugerät kostet, inklusive Lieferung und Entsorgung des alten. Teile das eine durch das andere.
- Unter 30 Prozent: Repariere. In diesem Bereich müsste das Gerät fast sofort wieder ausfallen, damit sich der Neukauf gerechnet hätte.
- 30 bis 50 Prozent: Der Bereich, in dem der Zustand des restlichen Geräts den Ausschlag gibt. Dazu weiter unten die Punkte, die du selbst prüfen kannst.
- Über 50 Prozent: Der Neukauf wird plausibel, weil du für den Aufpreis ein Gerät mit vollständiger Gewährleistung und ohne Vorschäden bekommst.
Die 50-Prozent-Marke steht in keiner Vorschrift. Sie ist eine Entscheidungsregel, die sich begründen lässt: Ab der Hälfte des Neupreises kaufst du dir mit dem Reparaturbetrag rechnerisch ein halbes Gerät, das trotzdem alle bisherigen Betriebsstunden auf allen anderen Bauteilen behält.
Was in einer Reparaturrechnung tatsächlich steckt
Der Teilepreis ist selten der größte Posten. Eine Rechnung des Kundendienstes besteht aus drei Blöcken, und nur einer davon steht im Ersatzteilshop.
| Posten | Spanne (Stand 2026) | Wovon sie abhängt |
|---|---|---|
| Anfahrt | 40 bis 90 Euro | Entfernung, Werkstatt oder Herstellerdienst |
| Arbeitszeit | 60 bis 110 Euro je Stunde | Region, angefangene oder volle Viertelstunden |
| Ersatzteil | stark schwankend | Original oder Nachbau, Verfügbarkeit |
Diese Spannen schwanken je nach Region und Betrieb erheblich, deshalb stehen sie hier als Bereich und nicht als Betrag. Verbindlich wird die Zahl erst mit einem schriftlichen Kostenvoranschlag für deinen konkreten Fall. Frag beim Anruf zwei Dinge ab: ob die Anfahrt bei anschließender Reparatur verrechnet wird, und ob die Arbeitszeit im Viertelstundentakt oder pauschal berechnet wird. Beides verschiebt die Summe um zweistellige Beträge.
Diagnose vor Kostenvoranschlag: was du vorher klärst
Je genauer du den Defekt beschreiben kannst, desto belastbarer wird der Voranschlag am Telefon. Vier Beobachtungen reichen dafür meistens aus.
- Wann tritt der Fehler auf? Immer, nur bei einem Programm, nur bei voller Beladung, nur beim Aufheizen.
- Was macht das Gerät hörbar? Brummt die Pumpe ohne zu fördern, klackt ein Relais, bleibt es still.
- Steht Wasser im Boden? Und wenn ja, klar oder mit Waschmittelresten.
- Was hast du bereits geprüft? Flusensieb, Ablaufschlauch, Sicherung im Verteiler.
Vor jedem Handgriff am Gerät: Stecker ziehen. Bei fest angeschlossenen Geräten die Sicherung im Verteiler herausnehmen und den Schalter gegen versehentliches Zurückschalten sichern.
Der laufende Verbrauch gehört in den Bruch
Bei Geräten, die täglich heizen oder kühlen, entscheidet nicht nur der Kaufpreis. Nimm den Verbrauchsunterschied und rechne ihn auf ein Jahr, mit deiner eigenen Nutzungshäufigkeit im Satz.
Ein Beispiel mit offengelegten Annahmen: Gerechnet mit 0,5 Kilowattstunden Unterschied je Vorgang und 250 Vorgängen im Jahr sind das 125 Kilowattstunden. Bei 40,55 Cent je Kilowattstunde, dem Durchschnitt für private Haushalte im 2. Halbjahr 2025 laut Statistischem Bundesamt, ergibt das 50,69 Euro im Jahr. Die 0,5 Kilowattstunden sind eine Annahme, kein Messwert. Miss deinen eigenen Wert mit einer Zwischensteckdose, bevor du damit rechnest.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung vom 31.03.2026, Strompreis private Haushalte 2. Halbjahr 2025.
Dieser Betrag gehört nicht in den Bruch selbst, sondern daneben: Er sagt dir, wie viele Jahre ein Neugerät braucht, um seine Preisdifferenz über den geringeren Verbrauch wieder einzuspielen.
Teile, bei denen sich das Rechnen fast erübrigt
Es gibt eine Gruppe von Schäden, bei der der Bruch praktisch immer unter 30 Prozent landet, weil das Teil selbst zweistellig ist und der Ausbau in einer knappen Stunde erledigt.
- Türdichtung und Faltenbalg an Waschmaschine und Backofen
- Ablaufpumpe und deren Flügelrad
- Kohlebürsten am Universalmotor
- Temperaturfühler und Thermostate
- Heizstab, solange er zugänglich verschraubt ist
- Türschloss und Verriegelung
Bei diesen Teilen kippt die Entscheidung selbst dann nicht, wenn das Gerät schon lange läuft. Genau hier ist die Zehn-Jahres-Regel am teuersten: Sie schickt funktionierende Geräte wegen eines Bauteils in den Container, dessen Preis im niedrigen zweistelligen Bereich liegt.
Teile, bei denen der Bruch regelmäßig kippt
Umgekehrt gibt es Schäden, bei denen die Arbeitszeit den Ausschlag gibt, nicht das Teil. Trommellager sitzen bei vielen Bauformen in einem verschweißten Bottich, der komplett getauscht werden muss. Bezahlt wird dann das halbe Gerät drumherum, während das Lager selbst der billigste Posten auf der Rechnung bleibt. Ähnlich verhält es sich mit dem Kältekreislauf: Ein defekter Kompressor oder ein Leck im Kreislauf ist Arbeit für einen Kältetechniker mit Zulassung, keine Ersatzteilfrage.
Bei der Steuerelektronik lohnt eine Zwischenfrage. Manche Betriebe reparieren die Platine, statt sie zu tauschen, und liegen damit deutlich unter dem Neuteilpreis. Frag danach ausdrücklich, es steht selten von allein im Angebot.
Im Mittelbereich zählt der Zustand des Rests
Zwischen 30 und 50 Prozent gibt der Rest des Geräts den Ausschlag, und den kannst du in einer Viertelstunde selbst beurteilen. Fünf Punkte, alle bei gezogenem Stecker:
- Türdichtung: rissig, hart, schwarz belegt oder noch elastisch. Der Papier-Test an der Türdichtung beantwortet das in fünf Minuten.
- Rost: von innen an Bottich, Bodenblech und Schrauben. Oberflächenrost am Gehäuse ist harmlos, durchgerostete Trägerteile beenden die Diskussion.
- Lagergeräusch: Trommel von Hand drehen. Mahlen oder Rumpeln kündigt den teuersten Posten an, noch bevor er ausfällt.
- Kalk: sichtbare Beläge am Heizstab oder im Bottich, Wäsche oder Geschirr bleiben rau.
- Vorgeschichte: Wie viele Reparaturen lagen in den letzten 24 Monaten, und an wie vielen verschiedenen Bauteilen.
Zwei oder mehr Auffälligkeiten schieben eine Reparatur bei 45 Prozent über die Kippgrenze. Ein sauberes Gerät mit einem einzelnen Defekt trägt die 45 Prozent dagegen problemlos.
Wo das Alter dann doch hineinspielt: Ersatzteile
Es gibt genau einen Punkt, an dem das Baujahr die Entscheidung wirklich verändert, und das ist die Verfügbarkeit. Wenn ein Teil nicht mehr lieferbar ist, ist der Bruch gegenstandslos, weil der Zähler nicht existiert. Das prüfst du in zehn Minuten selbst: Typenschild suchen, E-Nummer und Modellbezeichnung notieren, damit in einem Ersatzteilshop nach dem benötigten Teil suchen. Findest du es lieferbar, ist das Alter erledigt. Findest du es nur gebraucht oder gar nicht, hat sich die Frage anders entschieden als über den Preis.
Nützlicher Nebeneffekt: Mit E-Nummer und Fertigungsdatum kennst du auch das tatsächliche Baujahr, statt es zu schätzen. Wie du das Typenschild findest und liest, steht in Typenschild am Backofen finden und lesen für die Bauart, die am schwersten zugänglich ist.
Bis hierhin selbst, ab hier Fachbetrieb
Die Grenze verläuft nicht am Schwierigkeitsgrad, sondern an drei Medien. Selbst machen kannst du alles, was du bei gezogenem Stecker erreichst und was weder Wasser unter Druck noch Gas noch das Kältemittel berührt: Siebe, Schläuche, Dichtungen, gesteckte Verbindungen, verschraubte Blenden.
Fachbetrieb ist zuständig, sobald Netzspannung im Spiel bleibt, sobald ein Kältekreislauf geöffnet würde, sobald eine Gasleitung betroffen ist, und immer dann, wenn nach dem Eingriff eine Prüfung der elektrischen Sicherheit ansteht. Ein Gerät, das nach der Reparatur wieder ans Netz geht, muss sicher sein, und das lässt sich ohne Messgerät nicht beurteilen.
Der Neupreis ist mehr als der Preis im Shop
In den Nenner gehört die vollständige Summe. Lieferung bis zur Verwendungsstelle, Anschluss, Mitnahme und Entsorgung des Altgeräts sowie eventuelle Anpassungen am Einbau. Bei Einbaugeräten kommt das Nischenmaß dazu: Ein 60 Zentimeter breites Gerät passt nicht in jede Nische, die 60 Zentimeter breit aussieht, weil Zargen, Sockelhöhe und Türanschlag mitreden. Verbindlich ist die Montageanleitung des konkreten Geräts, nicht die Katalogangabe.
Rechne diese Nebenposten dazu, bevor du den Bruch bildest. Sie verschieben ihn regelmäßig um mehr als die 10 Prozentpunkte, die zwischen zwei Entscheidungsbereichen liegen.
Der Ablauf in der Reihenfolge, in der er funktioniert
- Fehler beschreiben und die vier Beobachtungen von oben notieren.
- Stecker ziehen, die selbst prüfbaren Punkte abarbeiten: Sieb, Schlauch, Sicherung.
- Typenschild lesen, Ersatzteil auf Verfügbarkeit prüfen.
- Schriftlichen Kostenvoranschlag einholen, Anfahrt- und Arbeitszeitregel abfragen.
- Neupreis des Geräts ermitteln, das du wirklich kaufen würdest, inklusive Lieferung und Entsorgung.
- Teilen. Ergebnis in einen der drei Bereiche einsortieren.
- Im Mittelbereich zusätzlich den Verbrauchsunterschied auf ein Jahr rechnen und den Zustand des restlichen Geräts einbeziehen.
Zwei Beträge, ein Bruch, und das Baujahr bleibt draußen
Die Regel, dass sich ab zehn Jahren nichts mehr lohnt, klingt nach Erfahrung und ist in Wirklichkeit eine Abkürzung um die einzige Rechnung herum, die es braucht. Reparaturkosten vollständig, Neupreis vollständig, dividieren. Ein Türschloss für 45 Euro an einem 14 Jahre alten Gerät ergibt 9 Prozent von 480 Euro und ist damit erledigt. Ein Trommellagerschaden für 340 Euro an einem 4 Jahre alten Gerät ergibt 71 Prozent und ist es ebenfalls, nur andersherum. Beides steht in derselben Spalte, und in keinem der beiden Fälle war das Baujahr die Größe, die geantwortet hat.