Ein Jahr hat 8.760 Stunden. Ein Gerät, das durchgehend ein einziges Watt zieht, verbraucht in dieser Zeit 8,76 Kilowattstunden. Bei 40,55 Cent je Kilowattstunde, dem Durchschnitt für private Haushalte im 2. Halbjahr 2025 laut Statistischem Bundesamt, sind das 3,55 Euro. Diese eine Multiplikation macht aus der abstrakten Frage nach dem Bereitschaftsverbrauch eine Zahl, mit der sich rechnen lässt. Alles, was du dafür brauchst, ist die Wattzahl deines Geräts, und die steht nicht auf der Verpackung.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung vom 31.03.2026, Strompreise für private Haushalte im 2. Halbjahr 2025.
Drei Zustände, die im Alltag alle "aus" heißen
Ein Vollautomat kennt mehr als an und aus, und die drei Zwischenstufen unterscheiden sich um den Faktor 20 und mehr.
- Netztrennung. Stecker gezogen oder schaltbare Steckdose aus. Verbrauch null, aber beim nächsten Start läuft eine vollständige Aufheiz- und Spülroutine.
- Bereitschaft mit kaltem Thermoblock. Das Gerät wartet auf einen Tastendruck, Elektronik und Display hängen am Netz. Der Verbrauch liegt im Bereich weniger Watt.
- Warmhaltung. Der Thermoblock wird auf Temperatur gehalten, damit die nächste Tasse ohne Wartezeit kommt. Hier liegt der Verbrauch um ein Vielfaches höher.
Welchen dieser Zustände dein Gerät einnimmt, wenn du die Taste drückst, entscheidet über den Jahresbetrag. Die Bedienungsanleitung nennt den Zustand, das Verhalten verrät ihn ebenfalls: Kommt die erste Tasse nach dem Einschalten sofort, war der Block warm.
Von Watt zu Euro: die Tabelle für deinen Messwert
Alle Zeilen entstehen aus derselben Rechnung: Watt mal 8.760 Stunden ergibt Wattstunden, geteilt durch 1.000 sind es Kilowattstunden, mal 0,4055 Euro ergibt den Jahresbetrag.
| Dauerleistung | Kilowattstunden im Jahr | Kosten im Jahr |
|---|---|---|
| 0,5 Watt | 4,38 | 1,78 Euro |
| 1 Watt | 8,76 | 3,55 Euro |
| 2 Watt | 17,52 | 7,10 Euro |
| 5 Watt | 43,80 | 17,76 Euro |
| 10 Watt | 87,60 | 35,52 Euro |
| 20 Watt | 175,20 | 71,04 Euro |
Keine dieser Zeilen ist ein Messwert für ein bestimmtes Gerät. Sie sind die Umrechnung, in die du deinen eigenen Wert einsetzt, sobald du ihn hast. Die Spanne zwischen erster und letzter Zeile beträgt 69,26 Euro im Jahr, und genau deshalb lohnt sich das Messen, statt zu schätzen.
Die Spülung gehört zur Bereitschaftsfrage dazu
Vollautomaten spülen beim Einschalten und beim Ausschalten die Brühwege durch. Das kostet Strom für das Aufheizen, Wasser und ein wenig Zeit. Wer das Gerät oft schaltet, spült oft, und genau dieser Posten fehlt in den meisten Standby-Rechnungen.
Gerechnet mit einem Thermoblock von 1.400 Watt, einer Annahme aus dem üblichen Bereich für Einkreis-Geräte, und 30 Sekunden Aufheizzeit ergibt eine Spülung 1.400 mal 30 geteilt durch 3.600, also rund 11,7 Wattstunden. Zwei Spülungen am Tag sind 23,3 Wattstunden, hochgerechnet auf 365 Tage 8,5 Kilowattstunden und damit 3,45 Euro im Jahr.
Was das Aufheizen für eine einzelne Tasse kostet
Derselbe Rechenweg gilt für den Brühvorgang. Mit den angesetzten 1.400 Watt und 30 Sekunden Aufheizen liegt eine Tasse bei rund 11,7 Wattstunden, also 0,47 Cent. Vier Tassen am Tag ergeben 46,8 Wattstunden, im Jahr 17,1 Kilowattstunden und 6,93 Euro.
Diese Größenordnung ist der Maßstab, an dem sich der Bereitschaftsverbrauch messen lassen muss. Ein Gerät, das im Wartezustand 10 Watt zieht, verbraucht mit 35,52 Euro im Jahr das Fünffache dessen, was das eigentliche Kaffeekochen kostet.
Lohnt das Ausschalten überhaupt? Die ehrliche Gegenrechnung
Wer das Gerät zusätzlich zweimal am Tag komplett vom Netz nimmt, spart Bereitschaftsstunden und bezahlt dafür mit zwei zusätzlichen Spülungen. Beides lässt sich gegenüberstellen.
- Bei 1 Watt Bereitschaft: Ersparnis 3,55 Euro im Jahr, Mehrkosten durch zwei zusätzliche Spülungen 3,45 Euro. Unter dem Strich bleibt nichts übrig.
- Bei 5 Watt Bereitschaft: Ersparnis 17,76 Euro, Mehrkosten 3,45 Euro. Es bleiben 14,31 Euro.
- Bei 20 Watt Warmhaltung: Ersparnis 71,04 Euro, Mehrkosten 3,45 Euro. Es bleiben 67,59 Euro.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage hängt also vollständig an der Wattzahl, die dein Gerät im Wartezustand zieht. Die Grenze liegt dort, wo die Ersparnis die 3,45 Euro für die zusätzlichen Spülungen überschreitet: 3,45 geteilt durch 3,55 Euro je Watt ergibt 0,97 Watt. Bei 1 Watt bleiben also rechnerisch 10 Cent im Jahr übrig, praktisch nichts. Ab 2 Watt wird ein kleiner Betrag daraus, ab 5 Watt lohnt sich das Schalten deutlich.
Die Abschaltautomatik ist die Stellschraube im Menü
Fast jeder Vollautomat schaltet nach einer einstellbaren Zeit ohne Bedienung selbst ab. Ab Werk ist diese Zeit oft großzügig eingestellt. Welche Stufen dein Gerät anbietet, steht in der Bedienungsanleitung, und dort steht auch, ob die Abschaltung das Gerät vollständig in den Wartezustand bringt oder nur das Display abschaltet.
Die Rechnung dazu ist einfach: Jede Stunde, die das Gerät früher abschaltet, spart 365 Stunden im Jahr. Bei 10 Watt Warmhaltung sind 365 Stunden 3,65 Kilowattstunden und damit 1,48 Euro. Wer die Abschaltzeit von drei Stunden auf eine halbe Stunde zieht, spart also bei diesem Verbrauchswert rund 3,70 Euro im Jahr, ohne den Kaffee zu verändern.
Der Tassenwärmer ist der stille Spitzenreiter
Die beheizte Abstellfläche auf der Oberseite ist bei vielen Geräten separat schaltbar und wird gern vergessen. Gerechnet mit 40 Watt Heizleistung und 12 Stunden Betrieb am Tag sind das 0,48 Kilowattstunden täglich, 175,2 Kilowattstunden im Jahr und 71,04 Euro. Damit kostet die warme Abstellfläche allein so viel wie eine Dauerlast von 20 Watt.
Die 40 Watt sind eine Annahme aus der Größenordnung einer kleinen Heizplatte. Ob dein Gerät eine solche Fläche überhaupt aktiv beheizt oder nur die Abwärme nutzt, steht in der Anleitung. Der Unterschied ist im Jahresbetrag zweistellig.
Schaltbare Steckdose: was sie kostet und wo sie stört
Eine mechanische Schaltsteckdose oder Steckdosenleiste mit Schalter liegt im einstelligen Eurobereich (Stand 2026), eine Zeitschaltuhr etwas darüber. Amortisiert ist sie bei 5 Watt Bereitschaft nach wenigen Wochen, bei 1 Watt gar nicht.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens fährt das Gerät bei jedem Wiedereinschalten seine Spülroutine, die oben eingerechnet ist. Zweitens behalten die Zähler für Reinigung und Entkalkung ihren Stand, die Uhrzeit und damit jede Zeitsteuerung im Gerät geht bei vielen Modellen dagegen verloren. Wer eine Zeitschaltuhr einsetzt, prüft deshalb einmal, ob das Gerät nach dem Einschalten von allein hochfährt oder auf einen Tastendruck wartet. Läuft es nur nach Tastendruck an, bringt die Uhr am Morgen keinen Vorteil und du kannst genauso gut mechanisch schalten.
Wasser und Kaffee, die in den Spülungen mitlaufen
Gerechnet mit 50 Millilitern je Spülgang und zwei Spülungen am Tag sind das 100 Milliliter täglich und 36,5 Liter im Jahr. Bei einem Kubikmeterpreis, den du deiner eigenen Abrechnung entnimmst, ergibt sich der Betrag durch eine Division: 36,5 Liter sind 0,0365 Kubikmeter, multipliziert mit deinem Preis für Frisch- und Abwasser zusammen.
Kaffee wird bei den regulären Spülungen nicht verbraucht, die laufen mit klarem Wasser. Wohl aber bei einer Reinigung mit Tablette, und wie oft die ansteht, gibt der Zähler des Geräts vor.
Wenn der Wartewert plötzlich hoch liegt
Ein Bereitschaftsverbrauch, der deutlich über dem liegt, was das Gerät früher gezogen hat, ist ein Hinweis und keine Eigenschaft. Zwei Ursachen kommen häufig vor: Der Temperaturfühler am Thermoblock meldet zu niedrige Werte, sodass die Heizung dauernd nachlegt. Oder die Elektronik hält das Gerät im Warmzustand, weil die Abschaltautomatik durch ein hängendes Bedienelement immer wieder eine Eingabe sieht.
Vor jeder Prüfung: Stecker ziehen. Alles, was hinter der Gehäuseschale liegt, gehört in die Hand eines Fachbetriebs, weil dort Netzspannung und Wasser dicht beieinander liegen. Was du selbst tun kannst, ist messen und beobachten, wann der Wert steigt.
Selbst messen: 24 Stunden reichen
- Messsteckdose zwischen Gerät und Wandsteckdose stecken, Zähler auf null setzen.
- Gerät in den Zustand bringen, den du bewerten willst, und 24 Stunden nicht benutzen.
- Abgelesene Kilowattstunden mal 365 ergibt den Jahresverbrauch der reinen Bereitschaft.
- Diesen Wert mal 0,4055 Euro ergibt den Jahresbetrag. Mit deinem eigenen Arbeitspreis von der Abrechnung wird daraus deine Zahl.
Wer den Momentanwert in Watt ablesen kann, geht schneller ans Ziel: Diese Zahl mal 3,55 Euro ist der Jahresbetrag, ohne einen Tag zu warten. Denselben Test kannst du danach mit den anderen Dauerläufern in der Küche wiederholen, siehe die fünf heimlichen Dauerläufer im Haushalt.
Der Kaffee daneben, damit die Zahl Maßstab bekommt
Gerechnet mit 8 Gramm Bohnen je Tasse und einem Kilopreis von 15 Euro, den du durch deinen eigenen ersetzt, kostet eine Tasse 0,008 mal 15, also 12 Cent. Bei vier Tassen am Tag sind das 1.460 Tassen und 175,20 Euro im Jahr.
Gegen diesen Betrag stehen 3,55 Euro Bereitschaft bei einem sparsamen Gerät und 71,04 Euro bei einer beheizten Abstellfläche im Dauerbetrieb. Die Bereitschaft ist damit kein Randposten, aber auch nicht der Hauptposten. Wo dein Gerät in dieser Spanne liegt, sagt dir eine Messung und keine Broschüre.
Zwei Zahlen genügen für die Bereitschaftsrechnung
Du brauchst die Wattzahl im Wartezustand und deinen Arbeitspreis. Der Rest ist Multiplikation: Watt mal 8,76 ergibt Kilowattstunden im Jahr, mal deinen Preis ergibt Euro. Bei 40,55 Cent sind das 3,55 Euro je Watt. Liegt dein Gerät bei 1 Watt, ist das Thema erledigt und das Ausschalten am Netz spart nichts, weil die zusätzlichen Spülungen den Gewinn auffressen. Liegt es bei 10 oder 20 Watt, weil der Thermoblock warm gehalten wird oder die Abstellfläche heizt, stehen 35 bis 71 Euro im Jahr auf dem Spiel, und dann lohnt sich die Abschaltzeit im Menü genauso wie der Schalter in der Steckdosenleiste.