Ein einziges Watt Dauerlast kostet 3,55 Euro im Jahr. Die Rechnung dahinter ist eine Multiplikation: 1 Watt mal 8.760 Stunden ergibt 8,76 Kilowattstunden, und bei 40,55 Cent je Kilowattstunde, dem Durchschnittspreis privater Haushalte im 2. Halbjahr 2025 laut Statistischem Bundesamt, sind das eben jene 3,55 Euro.
Das klingt nach nichts. Bis du zählst, wie viele Geräte in einer Küche dauerhaft am Netz hängen, und wie viele davon zweistellig im Watt-Bereich liegen, weil sie mehr tun als eine Uhr anzuzeigen. Genau diese Zahl steht auf keiner Rechnung getrennt aus, und sie steht auch nicht auf dem Energielabel.
Warum die Zahl 8.760 alles entscheidet
Ein Jahr hat 365 mal 24 Stunden, also 8.760. Bei einem Gerät, das nur läuft, wenn du es benutzt, spielt diese Zahl keine Rolle. Bei einem Gerät, das rund um die Uhr in Bereitschaft steht, ist sie der einzige Multiplikator, der zählt.
Beim aktiven Verbrauch entscheidet die Leistung, bei der Bereitschaft entscheidet die Laufzeit. Ein Backofen mit 3.000 Watt läuft vielleicht 60 Stunden im Jahr, das sind 180 Kilowattstunden. Ein Bedienfeld mit 2 Watt läuft 8.760 Stunden und kommt auf 17,52 Kilowattstunden. Ein Zehntel der Backofen-Nutzung, für ein Display, das die meiste Zeit niemand ansieht.
| Dauerlast | Kilowattstunden im Jahr | Kosten bei 40,55 ct/kWh |
|---|---|---|
| 0,5 Watt | 4,38 kWh | 1,78 Euro |
| 1 Watt | 8,76 kWh | 3,55 Euro |
| 2 Watt | 17,52 kWh | 7,10 Euro |
| 3 Watt | 26,28 kWh | 10,66 Euro |
| 5 Watt | 43,80 kWh | 17,76 Euro |
| 8 Watt | 70,08 kWh | 28,42 Euro |
Der Vollautomat in Bereitschaft
Ein Kaffeevollautomat hält im Bereitschaftsmodus die Steuerung wach, oft auch ein beleuchtetes Display, bei manchen Geräten zusätzlich einen Thermoblock auf Temperatur. Die Spanne zwischen einem Gerät, das nur wartet, und einem, das warmhält, ist deshalb groß.
Gerechnet mit 5 Watt Dauerlast sind das 43,80 Kilowattstunden im Jahr, also 17,76 Euro. Fällt die Bereitschaft auf 1 Watt, weil das Gerät nach kurzer Zeit in einen tieferen Ruhezustand geht, bleiben 3,55 Euro. Der Unterschied zwischen beiden Zuständen ist eine Einstellung im Menü, meist unter der Abschaltautomatik. Stell sie auf den kürzesten Wert, den dein Alltag zulässt.
Die Mikrowelle, die nur die Uhr zeigt
Eine Mikrowelle arbeitet in vielen Haushalten wenige Minuten am Tag und zeigt 1.440 Minuten lang die Uhrzeit. Gerechnet mit 2 Watt für Display und Steuerung sind das 17,52 Kilowattstunden im Jahr und 7,10 Euro.
Zum Vergleich die aktive Seite: 5 Minuten täglich bei 1.200 Watt Aufnahmeleistung ergeben 0,1 Kilowattstunden am Tag, also 36,5 Kilowattstunden im Jahr. Die Uhr kostet damit knapp die Hälfte dessen, was das Erwärmen kostet. Bei einem Gerät, das nur zweimal pro Woche läuft, dreht sich das Verhältnis um.
Das Touch-Bedienfeld am Backofen
Ein Einbaubackofen hat keinen Netzschalter, den du erreichst. Er hängt an einer Anschlussdose hinter dem Gerät und läuft durch, damit Uhr, Timer und Sensortasten reagieren. Kapazitive Sensorflächen müssen dabei permanent abgefragt werden.
Gerechnet mit 2 Watt sind das wieder 17,52 Kilowattstunden und 7,10 Euro im Jahr. Ein Gerät mit großem Farbdisplay und Netzwerkfunktion kann deutlich darüber liegen. Abschalten lässt sich das nur über die zugehörige Sicherung im Verteiler, und das ist im Alltag keine Option, weil Uhr und Programmierung dabei verloren gehen.
Waschmaschine und Trockner zwischen den Wäschen
Zwischen zwei Waschgängen bleibt die Steuerung aktiv, wenn das Programmwahlrad nicht in der Nullstellung steht oder das Gerät nur über eine Sensortaste ausgeschaltet wurde. Gerechnet mit 1 Watt sind das 8,76 Kilowattstunden und 3,55 Euro im Jahr je Gerät.
Bei Waschmaschine und Trockner zusammen verdoppelt sich das. Beide stehen meist an einer gemeinsamen Steckdose im Bad oder Keller, und beide werden zwischen den Wäschen tagelang nicht gebraucht. Das ist der Ort, an dem eine schaltbare Steckdosenleiste am wenigsten Nebenwirkungen hat, solange kein Programm läuft.
Ladestationen, die nie fertig werden
Die Basis eines Saugroboters, die Ladeschale des Akku-Handstaubsaugers, der Zahnbürstenlader im Bad und das Steckernetzteil der Küchenwaage: jedes einzelne Gerät liegt gerechnet zwischen 0,5 und 3 Watt, und keines davon wird jemals abgezogen.
Zwei Stationen mit je 1 Watt ergeben 2 Watt Dauerlast, also 17,52 Kilowattstunden und 7,10 Euro im Jahr. Wer vier davon stehen hat und mit je 1,5 Watt rechnet, liegt bei 6 Watt, 52,56 Kilowattstunden und 21,31 Euro. Der Hebel liegt hier im Zusammenfassen: Was auf einer gemeinsamen Leiste hängt, lässt sich mit einem Schalter erledigen. Ein Ladegerät, das seinen Akku dauerhaft auf voller Ladung hält, tut diesem Akku ohnehin keinen Gefallen.
Was die fünf Posten zusammen ausmachen
Rechne einen Beispielhaushalt zusammen: Vollautomat 5 Watt, Mikrowelle 2 Watt, Backofen 2 Watt, Waschmaschine und Trockner zusammen 2 Watt, Ladestationen 2 Watt. Das ergibt 13 Watt Dauerlast.
13 mal 8.760 sind 113,88 Kilowattstunden im Jahr. Bei 40,55 Cent je Kilowattstunde sind das 46,18 Euro. Diese Summe fällt an, ohne dass ein einziges Gerät benutzt wurde. Sie ist die Untergrenze dessen, was die Küche kostet, wenn niemand zu Hause ist.
Halbierst du sie durch abschaltbare Leisten und eine kürzere Abschaltautomatik am Vollautomaten, sparst du gut 23 Euro im Jahr. Das ist keine Sanierung, aber es ist ein Betrag, der ohne Investition und ohne Komfortverlust zu holen ist, sobald die Leiste einmal liegt.
So misst du deinen eigenen Wert
Alle Zahlen oben sind Annahmen, weil kein Datenblatt hinter ihnen steht. Deine eigenen Werte bekommst du mit einem Energiekostenmessgerät für die Steckdose. Die Momentanzeige in Watt ist bei kleinen Lasten allerdings ungenau, gerade unterhalb von 2 Watt und bei Schaltnetzteilen.
- Messgerät zwischen Steckdose und Gerät stecken und den Zähler auf null setzen.
- Das Gerät ausschalten, also in den Zustand bringen, den du messen willst, und eine ganze Woche nicht benutzen.
- Nach sieben Tagen den kWh-Wert ablesen. Eine Woche hat 168 Stunden.
- Teilen: 0,34 Kilowattstunden geteilt durch 168 Stunden sind 0,00202 Kilowatt, also rund 2 Watt.
- Hochrechnen: 2 Watt mal 8.760 Stunden sind 17,52 Kilowattstunden, mal deinen Arbeitspreis.
Der Umweg über eine ganze Woche ist der Grund, warum diese Messung funktioniert: Über 168 Stunden summiert sich auch eine Last, die das Gerät einzeln nicht auflösen kann.
Warum das Energielabel diese Stunden auslässt
Das EU-Energielabel beruht auf der Verordnung (EU) 2017/1369, in Kraft in der konsolidierten Fassung vom 01.05.2021. Es weist den Verbrauch für eine genormte Anzahl von Programmzyklen aus, also für die Zeit, in der das Gerät arbeitet.
Die Stunden zwischen den Zyklen bildet diese Angabe nicht ab. Zwei Geräte mit identischem Label können sich in der Bereitschaftsaufnahme deshalb deutlich unterscheiden. Und weil die Klassen mit der Neuskalierung zurückgesetzt wurden, sagt ein Buchstabe für sich genommen ohnehin weniger, als viele annehmen: A ist seither bewusst schwer erreichbar, und gute Geräte liegen häufig bei C oder D.
Was du trennen darfst und was nicht
Unkritisch sind dagegen Ladestationen ohne laufenden Ladevorgang, Mikrowelle, Toaster, Wasserkocher, Küchenmaschinen und die Kaffeemaschine ohne Warmhaltefunktion. Bei allem, was eine Uhr oder eine Programmierung speichert, verlierst du diese Einstellung beim Trennen, was den Komfort mehr kostet als die Kilowattstunde.
Zieh vor dem Umstecken den Netzstecker statt an der Leitung zu reißen, und belaste keine Steckdosenleiste mit Heizgeräten wie Wasserkocher oder Toaster. Diese Geräte gehören direkt in die Wandsteckdose.
Wenn das Wiedereinschalten selbst Strom kostet
Bei Geräten mit Aufheizvorgang ist das Abschalten nicht umsonst. Ein Vollautomat heizt beim Einschalten den Thermoblock auf und spült dabei die Brühgruppe. Gerechnet mit 1.400 Watt über 30 Sekunden sind das 0,0117 Kilowattstunden je Start.
Wer das Gerät viermal täglich zusätzlich aus- und wieder einschaltet, kommt auf 1.460 zusätzliche Starts im Jahr, also 17 Kilowattstunden und 6,90 Euro. Gegenüber 17,76 Euro Bereitschaft bei 5 Watt bleibt ein Vorteil von knapp 11 Euro, nicht die vollen 17,76. Wer das Gerät einmal morgens einschaltet und abends aus, hat den vollen Vorteil und dazu weniger Spülwasser im Auffangbehälter.
Der Zweitkühlschrank im Keller läuft rund um die Uhr
Der größte Posten in vielen Haushalten steht gar nicht in der Küche. Ein älterer Zweitkühlschrank oder eine Gefriertruhe im Keller arbeitet 8.760 Stunden im Jahr, taktet dabei aber, statt durchgehend zu ziehen. Gerechnet mit 0,4 Kilowattstunden am Tag sind das 146 Kilowattstunden im Jahr, also 59,20 Euro.
Damit kostet dieses eine Gerät mehr als alle fünf Bereitschaftsposten zusammen. Für sechs Flaschen Getränke lohnt sich das selten, und die Messung dauert dieselben sieben Tage wie oben. Trennen darfst du es nur, wenn du es vorher abtaust und ausräumst.
Womit du anfängst, wenn du nur ein Gerät angehst
Fang mit dem Gerät an, das am meisten zieht, und nicht mit dem, das am leichtesten erreichbar ist. In der Reihenfolge ihrer Wirkung sind das: der Zweitkühlschrank mit rund 59 Euro im Jahr, der Vollautomat mit rund 18 Euro und danach die Sammelleiste für Waschmaschine, Trockner und Ladestationen mit zusammen rund 14 Euro.
Die Multiplikation mit 8.760 ist dabei der ganze Trick. Sie verwandelt eine Zahl, die zu klein aussieht, um sie ernst zu nehmen, in einen Betrag, der auf deiner Jahresrechnung steht. Wenn du nur eine Zahl aus diesem Text mitnimmst, dann diese: ein Watt sind 3,55 Euro im Jahr, bei dem hier angesetzten Arbeitspreis.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung vom 31.03.2026, Strompreis für private Haushalte im 2. Halbjahr 2025: 40,55 Cent je Kilowattstunde. destatis.de. Rechtsgrundlage des Energielabels: Verordnung (EU) 2017/1369, data.europa.eu. Stand des Artikels: September 2026. Alle Watt-Angaben zu einzelnen Gerätearten sind im Text als Annahme gekennzeichnet und ersetzen keine eigene Messung.